Der Konvent der ehemaligen evangelischen Ostkirchen e.V.

 

Ziele unserer Arbeit

Der Konvent hat das Ziel - über seine Mitglieder - Hilfe bei der Lösung von gemeinschaftlichen kirchlichen, kulturellen und sozialen Aufgaben in seinen Herkunftsländern, die nach 1945 alle zum Ostblock gehört hatten, zu geben. Dies geschieht durch die Förderung von Partnerschaften, Gewährung von Unterstützungsleistungen, Bewahrung der Geschichte der Kirchen, Information und Austausch, Mitwirkung und Mitgliedschaft in Koordinierungsgremien der EKD.

Entwicklung und Ziele des Konventes (Text aus dem Flyer zum Deutschen Evangelischen Kirchentag 2011 in Dresden):

Der Konvent der ehemaligen evangelischen Ostkirchen e.V. ist der Zusammenschluss all jener evangelischen Gemeinschaften, die ihre Wurzeln in den Gebieten jenseits von Oder und Neiße haben. Der Konvent arbeitet unter dem Dach der Evangelischen Kirche in Deutschland, seine Geschäftsführung verantwortet das Kirchenamt der EKD, die Mehrzahl der den Konvent bildenden Gruppen sind Mitglieder der Evangelischen Konferenz für Mittel- und Osteuropa, dem Zusammenschluss aller Akteure der kirchlichen Osteuropaarbeit.

Für die Evangelische Kirche in Deutschland wurde schon kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs die Unterstützung der Millionen von Flüchtlingen und Vertriebenen ein wichtiger Arbeitsbereich. Der Ostkirchenausschuss und die seit 1946 entstehenden Hilfskomitees waren dabei Instrumente der Hilfe und Integration. Evangelische Christen aus Schlesien, Ost- und Westpreußen, aus Pommern und dem Posener Land, aber auch aus Siebenbürgen und dem Banat, aus Jugoslawien und vielen anderen deutschen Siedlungsgebieten fanden in den Landeskirchen, Diakonischen Werken und in den Hilfskomitees Unterstützung und Beistand, sich in der neuen Heimat, die oft genug zunächst eine 'kalte Heimat' war, zurechtzufinden. Ostkirchenausschuss und Konvent entschieden sich früh für die evangelischen Ostkirchen in die EKD - Landeskirchen zu integrieren. Dort wurde dann die Erinnerung an die verlorene Heimat gepflegt und wachgehalten, die Hilfskomitees trugen ihrerseits dazu bei, die aus den Herkunftsgebieten stammenden und mitgebrachten Glaubens- und Kulturschätze zu bewahren und fruchtbar zu machen. Daneben begann in den Zeiten von Eisernem Vorhang und Kaltem Krieg die Versöhnungsarbeit mit dem Osten. Der Brückenschlag gelang, aus Patenschaften wurden Partnerschaften, materielle und ideelle Hilfe, die bis zur Gegenwart nicht aufgehört hat. Dabei reicht der Bogen von der Unterstützung bei Renovierungen von Kirchen und Orgeln über die konkrete Hilfe in sozialen Notlagen bis hin zum Aufbau von Gedenk- und Erinnerungsstätten.

Der Beitrag der evangelischen und katholischen Vertriebenenorganisationen ist seit über 60 Jahren ein wichtiger Baustein zur Entwicklung guter Nachbarschaft in Europa. Zunehmend werden in den Vertreibungsgebieten die deutschen Wurzeln wiederentdeckt und gepflegt, nach der Erlebnisgeneration, die oft genug traumatisiert war, engagieren sich Kinder und Enkel unbelasteter für ein neues Miteinander.

Der Konvent der ehemaligen evangelischen Ostkirchen hat sich vorgenommen, in enger Zusammenarbeit mit den evangelischen Vertretern im Stiftungsrat 'Flucht, Vertreibung, Versöhnung' einen eigenständigen Beitrag zur geplanten Ausstellung zu leisten. Auch in der evangelischen Kirche soll wachgehalten werden, welch wichtige Rolle die Flüchtlinge und Vertriebenen in der deutschen Kirchengeschichte seit 1945 gespielt haben. Der Konvent hat im Jahr 2010 eine Erklärung veröffentlicht unter dem Thema: Vertreibung – Eingliederung – Versöhnung - Beiträge aus dem Bereich der evangelischen Kirche zur Verarbeitung von Flucht, Vertreibung und Aussiedlung. Drei der zwölf Thesen sollen hier zitiert werden (die gesamte Erklärung unter 'Aktuelle Texte'):

2. Für die Vertriebenen bedeutete es eine große Hilfe, dass ihre Schicksale als Wege unter Gottes Führung gedeutet wurden. So konnten sie auch schwerste Zeiten durchstehen und dem Erlittenen Sinn abgewinnen. Der biblische Gedanke einer Führung durch Gott ist auf Grund solcher Erfahrungen neu zu bedenken und wieder ins Bewusstsein zu rufen.

7. Die Flüchtlinge, Vertriebenen und Spätaussiedler haben durch ihre hergebrachte Frömmigkeit und ihre Neubesinnung auf den christlichen Glauben auf Grund der Vertreibungserfahrung starke Impulse zu einer Verlebendigung und Bereicherung des kirchlichen Lebens gegeben, vor allem in den Anfangsjahren. Das Ziel einer Beheimatung in der Kirche darf auch heute nicht aus dem Blickfeld geraten.

8. Durch den Zustrom von Flüchtlingen, Vertriebenen und Spätaussiedlern ist die vorher weit verbreitete konfessionelle Einheitlichkeit der Bevölkerung in Deutschland aufgebrochen worden. Diese Durchmischung hat zu einer Intensivierung des konfessionellen Miteinanders zwischen Evangelischen und Katholiken in Deutschland geführt.

Der Konvent gehört zu den Trägern der evangelischen Aktion 'Hoffnung für Osteuropa', die gemeinsame Mittel - und Osteuropaarbeit wird auch in den kommenden Jahren einen wichtigen Beitrag leisten für das gemeinsame Haus Europa.