Der Konvent der ehemaligen evangelischen Ostkirchen e.V.

 

Tagungen des Konvents der ehemaligen evangelischen

 Ostkirchen e.V.

Der Konvent gehört - wie die Landeskirchen, die Diakonischen und die Diaspora-Werke - zur Ev. Kommission für Mittel- und Osteuropa (EKMOE) und unterstützt dessen Fachausschuß für kirchengeschichtliche Arbeit, der die Herbsttagungen vorbereitet:

Der Fachausschuß Kirchengeschichte der Evangelischen Kommission für Mittel- und Osteuropa der EKD veranstaltete vom 30. September bis 3. Oktober 2004 im Bonhoeffer-Haus in Berlin seine alljährliche Tagung unter dem Thema „Evangelische Kirchen und Kultur im östlichen Europa. Kontinuitäten im 20. Jahrhundert und prägende Vorstellungen im Spannungsfeld von Kultur, Konfession und Nationalität“. Das Programm umfaßte historische und systematisch-theologische Grundsatzreferate, aber auch Berichte zur Situation in den Ländern des östlichen Europas.

Im Herbst 2003 lud der Fachausschuß für kirchengeschichtliche Arbeit der Evangelischen Kommission für Mittel- und Osteuropa (EKMOE) in Verbindung mit dem Ostkirchen-Institut der Universität Münster und dem Konvent der ehemaligen evangelischen Ostkirchen e.V. zu seiner alljährlichen Tagung unter dem Thema „Kirchengeschichte in Lebensbildern. Zeugnisse aus den evangelischen Kirchen im östlichen Europa des 20. Jahrhunderts“ nach Sväty Jur/St. Georgen bei Bratislava ein. Im Mittelpunkt der Tagung standen die Biographien von solchen Christinnen und Christen, die für ihre jeweilige Kirche, aber auch für die Ökumene Bedeutung gewonnen haben. In die Darstellungen eines internationalen Kreises von Referentinnen und Referenten einbezogen sollten auch Hinweise auf die zur Verfügung stehenden Quellen und Forschungsarbeiten, in Planung befindliche Forschungsprojekte und offene Probleme. Ziel der Tagung waren lebensnahe und problemorientierte Darstellungen, die die Vielfalt des christlichen Zeugnisses in den evangelischen Kirchen des östlichen Europas im 20. Jahrhundert zur Geltung bringen.

Weitere Tagungen fanden 2001 in Dziengielow/Polen zur Entwicklung der Diakonie statt und 2002 zur Entwicklung des Pietismus in Prag statt.

50 Jahre Ostgottesdienste in der Lukaskirche zu Hannover

Kaum einer kann sich heute unter dem Wort „Ostgottesdienst“ noch etwas vorstellen oder damit verbinden. Darum ein Rückblick: Über zwei Millionen Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten und aus den deutschen Siedlungsgebieten in Ost- und Südosteuropa waren nach dem Krieg heimatlos geworden. Sie hatten Schreckliches erlebt und nahe Angehörige verloren. Im Westen waren sie Fremde, lebten auf engstem Raum, und es fehlte an lebensnotwendigen Dingen. Hinzu kamen seelische Verwundungen und Glaubenszweifel. Für die Kirche war es damals eine große Aufgabe, sich um die Heimatlosen und Entrechteten zu kümmern. Die westlichen Landeskirchen ernannten „Flüchtlingspfarrer“. Aber auch die Pfarrer aus dem Osten suchten Kontakt zu ihren ehemaligen Gemeindegliedern. Da die alliierten Siegermächte Zusammenkünfte von Flüchtlingen verboten hatten, bildeten sich bald nach Kriegsende 1946 unter dem Dach der Kirche die sogenannten Hilfskomitees der früheren Ostkirchen, zwanzig an der Zahl. Sie bildeten zusammen den „Konvent der zerstreuten evangelischen Ostkirchen“.

In Hannover begründete Pfarrer Dr. Petersmann die „Evangelische Flüchtlingsfürsorge“, um den vielen Flüchtlingen und Vertriebenen in der zerbombten Großstadt Hannover zu helfen und sie durch Gottes Wort zu trösten. Ihnen war besonders wichtig, wieder als Gemeinde Jesu Christi zusammenzukommen und Gottesdienste in der ihnen vertrauten Liturgie der Heimat zu feiern. Seit 1950 war Dr. Petersmann Flüchtlingspfarrer für das Sammellager Mühlenberg. Dort ließ er ein schlichtes Holzkreuz aufrichten als Zeichen des Glaubens und der Hoffnung, daß Christus auch in der Fremde und in der Not gegenwärtig ist. Das Kreuz nahm Pastor Dr. Petersmann mit zur Lukaskirche, wo es heute sichtbar am alten Kirchturm als „Flüchtlingskreuz“ hängt und die evangelischen Vertriebenen wie auch die Einheimischen grüßt. Pastor Dr. Petersmann wurde 1953 Pfarrer der Lukaskirche. Da lag es nahe, die „Ostgottesdienste“ in der Lukaskirche zu halten. Die Kirche war, wie der ganze Stadtteil um die Contiwerke, stark zerstört. Ein Saal als Notkirche, aus den Trümmersteinen erbaut, war die erste Behausung der Gottesdienste der Gemeinde wie auch der Ostflüchtlinge. In den Ostgottesdiensten predigte ein Pfarrer aus einem der Heimatgebiete, aus dem die Gottesdienstbesucher kamen. Der Besuch war überwältigend. Die Teilnahme am Gottesdienst war das wichtigste. Am Sonntagnachmittag blieb man beisammen zu Heimattreffen mit dem Erleben christlicher Gemeinschaft, einem Kaffeetrinken und einem Vortrag. In den ersten Jahren fanden die Ostgottesdienste achtmal, später sechsmal jährlich statt. Derzeit sind es vier Treffen im Jahr. Der Konvent der ehemaligen evangelischen Ostkirchen trägt weiterhin die Vorbereitungen für Gottesdienst und Programm. Alle evangelischen Heimatvertriebenen sind in der Lukaskirche, die inzwischen mit einem Wiederaufbau eine neue Form erhalten hat, herzlich willkommen. Aus Anlaß der Erinnerung an 50 Jahre Ostgottesdienste wird am 14. September 2003 um 15 Uhr ein Gottesdienst für alle evangelischen Flüchtlinge und Vertriebenen und ihre Familien stattfinden.

P.i.R. Horst Bethke, Danzig-Westpr. Kirchenbrief 199/03