Hilfskomitee für die evangelisch-lutherischen
Slowakeideutschen
 

Über 50 Jahre Hilfskomitee

 

Da direkt nach dem Krieg keine politischen Organisationen gebildet werden durften, wurde das Hilfskomitee als erste der karpatendeutschen Organisationen am 6.8.1946 in Stuttgart durch fünf Heimatpfarrer gegründet. An einer ersten Sitzung am 9.12. 1946 nahm als Vertreter des Hilfswerks der EKiD Dr. Collmer teil. Seither gehört das Hilfskomitee als Unterorganisation zum Hilfswerk der EKiD bzw. später zum Diakonischen Werk der EKD. Neben der Zentralstelle in Stuttgart wurden Landesstellen in Württemberg, Baden, Bayern und Hessen, sowie eine Zonenstelle in Thüringen im Rahmen der Hilfswerke der jeweils zuständigen Landeskirchen gegründet. Heute besteht noch die Zentralstelle in Stuttgart (vereinigt mit der Landesstelle Württemberg) und die Landesstellen Baden und Bayern.

In der ersten Nachkriegszeit waren praktische Hilfen besonders nötig. Deshalb wurde mit finanzieller Unterstützung des Hilfswerks eine Geschäftsstelle in Stuttgart eingerichtet. Noch heute befindet sich ein Büro des Hilfskomitees im „Haus der Heimat" in Stuttgart. Neben Adressensammlung traten Hilfen bei Zuzugsangelegenheiten, bei der Arbeitssuche, beim Stellen der Lastenausgleichsanträge, bei Wohnungsbeschaffung, bei Ersatz von Dokumenten und bei Auswanderungsfragen. Eine Dokumentation der Lage und der Rechtsverhältnisse half den zur Waffen-SS zwangsweise Eingezogenen bei ihrer Entnazifizierung.

Wegen der Zerstreuung der evangelischen Slowakeideutschen war ein regelmäßiger Kontakt nur durch ein Mitteilungsblatt möglich. Pfarrer Desider Alexy bekam im „Evangelischen Gemeindeblatt für den Kirchenbezirk Urach" ab Januar 1947 eine Spalte, ab August 1947 eine ganze Seite und ab Mai 1948 zwei Seiten für Mitteilungen des Hilfskomitees zur Verfügung gestellt. Sie erschienen bereits unter dem Titelbild des heimatlichen „Evangelischen Glaubensboten". Als selbständige Zeitung erschien der Glaubensbote ab Januar 1949. Ab Juni 1949 wurde die Herausgabe mit dem katholischen „Karpatenboten" zusammengelegt und ab Januar 1950 ist der „Evangelische Glaubensbote" ein Teil der seither erscheinenden „Karpatenpost".

Die 1945 und 1948 aus der Slowakei geflüchteten evangelischen Slowaken wurden von den Heimatpfarrern des Hilfskomitees betreut. Im Rahmen einer Patenschaftshilfe wurden Pakete an die in der Heimat verbliebenen Glaubensgenossen versandt. Mit der Normalisierung der Verhältnisse wandelten sich die Aufgaben und verlagerten sich mehr und mehr auf das kulturelle Gebiet. Neben den weiterhin nötigen caritativen Aufgaben wurden Ausstellungen, Freizeiten und Treffen durchgeführt, bei denen Themen aus der Geschichte und Kultur der Karpatendeutschen behandelt wurden. Bis heute veranstaltet das Hilfskomitee jährlich eine Kulturtagung im Herbst mit Gottesdienst in heimatlicher Liturgie sowie mit kultur- und kirchengeschichtlichen Themen. Jedes zweite Jahr beteiligt es sich am karpatendeutschen Bundestreffen in Karlsruhe mit einem Festkonvent und einem Gottesdienst, der das letzte Mal ökumenisch gestaltet wurde.

Mit der intensiven Kontaktaufnahme zur Evangelischen Kirche A.B. in der Slowakei nach der Wende ergaben sich ernste und brüderliche Gespräche über das Verhältnis von slowakischen und deutschen Protestanten nach der Vertreibung. Sie fanden ihren Höhepunkt in einem Versöhnungsgottesdienst beim Bundestreffen 1993 in Karlsruhe, in dem Pfarrer Ondrej Prostrednik und Pfarrer Karl Skrabak gegenseitig um Vergebung baten und Vergebung gewährten.

Durch Vermittlung des Hilfskomitees, vor allem dessen weltlichen Vorsitzenden Dr. Emmerich Streck, wurde die Partnerschaft zwischen der Evangelischen Kirche in Württemberg, und der Evangelischen Kirche A.B. in der Slowakei angeregt. Dem Beraterkreis dieser Partnerschaft, die auch die Evangelische Kirche in Thüringen einschließt, gehört auch das Hilfskomitee an.