Gemeinschaft ev. Ostpreußen (GeO)
 

 

Pf. ERNST AUGUST MARBURG +


Zauberer Gottes - Mann des Volkes - Mann der Ehrenämter

 

 

Solch unterschiedliche Charakterisierungen treffen auf Pastor em. Ernst August Marburg, geboren am 27.11.1919 in Osterode/Ostpreußen, gestorben am 18.5. 2003 in Hannover, zu. Gewiss freute er sich über die öffentliche Anerkennung durch das Bundesverdienstkreuz und die Stadtplakette Hannover, doch im Grunde waren die Ehrenämter und Auszeichnungen für ihn eher ein Mittel, um mit einflussreichen Menschen über und für seine Schützlinge zu reden, Menschen, die besonders auf Integration angewiesen waren. Das reichte von den Schaustellern zu den Blaukreuzlern, von den "Pennern" zu den Flüchtlingen und Heimatvertriebenen. Erstaunlich, wie er immer wieder den Grieche ein Grieche, den Juden ein Jude sein konnte und trotzdem das reine Evangelium verkündigte, aber in einer Sprache, die seine gerade gegenwärtigen Hörer verstanden: als Volksmissionar bei Waldgottesdiensten in der Eilenriede, für Kaufleute und Manager auf der Hannover-Messe, für die Schützen vom größten Schützenfest Deutschlands, für die Johanniter, wo er zunächst zum Ehrenritter, später zum Rechtsritter geschlagen wurde, als Mitarbeiter in vielen Gremien und dann natürlich bei den Heimatvertriebenen, in erster Linie bei der "Gemeinschaft ev. Ostpreußen". Hauptamt, Nebenamt und Ehrenamt lassen sich bei Pastor Marburg kaum scheiden.

Von 1982-1990 war Pastor Marburg Vorsitzender des "Konvents der zerstreuten ev. Ostkirchen" und damit Nachfolger von Prof. Harald KRUSKA aus Posen, nach dem Kriege Professor an der Theologischen Hochschule in Berlin. Durch den "Kirchendienst Ost" hatte Prof. Kruska viel Gutes für die Heimatverbliebenen getan, war aber auch in das Schussfeld der Politik geraten, und zwei seiner Mitarbeiter wurden wegen "Spionage" in einem Schauprozess in Stettin zu hohen Gefängnisstrafen verurteilt. Die politische Rehabilitation erfolgte erst kurz vor Prof. Kruskas Tod um die Wendezeit. Als KONVENTSVORSITZENDER nahm Pastor Marburg auch an den Sitzungen des Ostkirchenausschusses der EKD (OKA) teil. Keiner hat wie er die Arbeit des Konvents geprägt und wurde deswegen sein Ehrenvorsitzender. Noch in diesem Jahr schrieb er regelmäßig motivierend zu den Vorstandssitzungen und nahm in Gedanken an der Arbeit teil.

Bei der "GEMEINSCHAFT ev. OSTPREUSSEN" (GeO) war es stets Sitte, dass der Vorsitzende jemand mit Rang und Namen war, dessen Stellvertreter ein Pastor, der zugleich Geschäftsführer war und das Mitteilungsblatt redigierte.

Pastor Marburg übte diese Verpflichtungen getreulich bis in die neunziger Jahre aus.

Auf LANDESKIRCHLICHER Ebene war er durch die nebenamtliche Leitung der "Dienststelle für Spätaussiedler und Flüchtlinge" von Amts wegen im Vorstand des Konvents der zerstreuten ev. Ostkirchen. Bei keinem der Ostgottesdienste, die im Wechsel von den einzelnen Hilfskomitees gestaltet wurde, fehlte er und brachte auch immer seine Frau zum Helfen mit. Frauen als "helfende Hände" waren ihm schon immer lieb gewesen, doch später akzeptierte er auch, dass Frauen in Ämter vorrückten, die einst den Pfarr-Herren vorbehalten gewesen waren. Es war überhaupt eine seiner großen Leistungen, daß er sich rechtzeitig nach und nach von seinen Ämtern trennte und stets Nachfolger aus der mittleren Generation gewinnen konnte. Voraussichtlich wird manches dieser Ämter mit den Nachfolgern auslaufen, aber das wird ihn schon nicht mehr belasten, denn "alles Ding hat seine Zeit."

Am längsten nahm er an der ADVENTSFEIER der ev. Ostpreußen verbunden mit den Pommern teil. Es waren stets besinnliche Stunden, bei denen sich die Teilnehmer wohl fühlten, aber sobald Pastor Marburg doch noch kam, war er der unumstrittene Mittelpunkt: Er brauchte nur ein paar Sätze in seinem breiten Ostpreußisch zu sagen. Im Advent 2001 war er schon ziemlich hinfällig, doch bei seinen Landsleuten lebte er nochmals wie ein alter Zirkusgaul auf, der eigentlich schon sein Gnadenbrot isst und der bei der Musik wieder die alten Kräfte spürt ...

Wer sich immer wieder stark einsetzt, für den bleiben Enttäuschungen nicht aus, die besonders dann bitter sind, wenn sie von Menschen und Gremien ausgehen, die er eigentlich für Weggenossen gehalten hatte. Doch auch dieser Zwist fand ein versöhnliches Ende, besiegelt durch einen Kranz mit Schleife.

Die Trauergemeinde am 27. Mai 2003 symbolisierte noch einmal, wie vielen unterschiedlichen Menschen der Verstorbene etwas bedeutet hatte.
 

RITA SCHELLER,
verantwortlich für die Adventsfeiern, stellv. Vorsitzende auf
landeskirchlicher Ebene, Vorsitzende im Konvent der
ehemaligen ev. Ostkirchen.